Everest Challenge - Rallyetagebuch
Tag 1-4.
Das Abenteuer hat begonnen; wir sind am Anfang der Seidenstraße – der Straße der Träume angekommen.
Chengdu in China.
Es ist heiß, es ist schwül; nichts können wir lesen, beim Bierkaufen schauen uns die kleinen Chinesen fragend an. “Bijji” heißt das hier. Solche Worte werden wir uns als erstes merken.
Die ersten Tage unsere Everest Challenge stehen unter dem Motto “Kennenlernen” und so gehen wir in die Sechuanoper, essen landestypischen Feuertopf, wir besuchen die Pandabären Aufzuchtsstation und besichtigen Tempel. “China for Beginners”
ABER: unser Bus (den wir die ersten Tage über haben) ist bereits mit unserem LOGO beklebt:
“Diesel and Dust goes East” – “Everest Challenge”
Nicht lange verbleibt dieser Aufkleber an einem schnöden Bus, denn morgen wird uns die chinesische Verkehrbehörde zu sich rufen: wir müssen den chinesischen Führerschein machen. Dazu gehören eine medizinische Untersuchung und eine theoretische Prüfung.
Wir sind gespannt und nehmen uns fest vor, heute früh schlafen zu gehen…
Tag 5
Drei Toyota Prado und drei Mitsubishi Pajero werden von heute an unsere Begleiter sein, ob sie zuverlässig sind, werdet ihr in den kommenden Tagen erfahren. Heute Morgen haben wir sie bei unserem Autoverleiher abgeholt und dann begann das erste richtige Abenteuer dieser Reise. Drei Stunden haben wir gebraucht um aus der 11 Millionen Stadt Chengdu herauszukommen. Dabei haben wir kaum die 10 km/h Marke überschritten. Unsere Fahrer erwiesen sich im riesigen Verkehrschaos der Stadt als wahre Helden der Stadtautobahn. Kein Wunder haben alle doch schon einmal an unserer Rallye nach Afrika teilgenommen.
Mittlerweile sind wir in Songpan angekommen, haben gut gegessen und uns über die Erlebnisse des Tages unterhalten. Vor alle die wunderschöne Landschaft hat uns gefangen genommen. Wir fahren endlich in eine andere, für uns unbekannte Welt. Tibet ist nicht mehr weit. Und irgendwie schwingt in uns allen die Vorfreude auf den morgigen Tag. Denn wir werden nicht nur Auto fahren, sondern auch noch in einem der schönsten Nationalparks der Gegend eine kleine Trekking-Tour machen.
Nur eins ist noch nicht ganz perfekt: Unsere Automatik -PKW müssen noch ein bisschen eingefahren werden, beim Überholen ziehen sie nämlich noch nicht so richtig… aber wir denken positiv.
Tag 6
Von Sonpan nach Chuanzhusi. Das sind nur wenige Kilometer, die Fahrt voller spannender Überholmanöver.
Am Ende steht das Highlight Hualong:
Ein eindrucksvoller Nationalpark, der sich über viele Quadratkilometer erstreckt. Für uns wichtig: über viele Höhenmeter. Denn wir müssen uns anpassen an die Höhen, die wir in den nächsten Tagen noch erfahren werden und vor allem an die, die uns am Everest Basecamp erwarten – denn da wollen wir fit sein!
Hualong: hellgrüne bis dunkelblaue, große und kleine Wasserbecken, entstanden durch Formationen spezieller Carbonate. Eindrucksvoll. Zwischen den Wasserbecken, schicke chinesische Pagoden.
Gestärkt von chinesischer Nudelsuppe geht es ab – wieder hinunter – Leitsatz: “Climb high, sleep low”. Wir schlafen auf 3000 Meter Höhe; gewandert sind wir heute bis auf 3600 Meter. Es geht hinauf – und wir schaffen das!
Tag 7
Herzrasen beim Tanken, Übelkeit gemischt mit einem sehr befremdlichen Gefühl unterwegs.
Die Etappe Chuanzhusi – Langmusi war ganz schön aufregend.
Eigentlich wollten wir nur Tanken. Aber alles wurde anders: nacheinander einreihen und auf die Zapfdame warten. Plötzlich gab es einen Schlag, Motorheulen. Stille-dann unser Geschrei. Dann noch mal: Motorheulen, ein Schlag und unsere Stimmen.
Was war passiert? Eines unserer Autos spielte verrückt; Bremse und Gas waren das Problem und so fuhr ein Automatikauto mit voller Kraft auf das tankende Auto vor ihm und gleich darauf auf das tankende Auto hinter ihm.
Drei Autos auf einen Streich!
Warten, Warten , Warten – wie vielleicht aus Afrika gewöhnt.
Drei Stunden später ging es trotzdem weiter, hinauf auf die Ebenen Tibets.
Ein bisschen Abweichen von der Route brachte uns über einen kleinen Schotterweg zu einem von der Sonne beschienenen Hügel. Gebetsfahnen lockten uns – Fotostop!
Aber es kam noch toller: 1000 Fahnen, eine kleine Gompa, einige Messer und Beile lagen herum. Eigentümlicher Geruch umgab uns.
Tieropferungen? Im Buddhismus? Das kann nicht sein!
Himmelsbestattung war hier das passende Wort: als wir das begriffen hatten, wurde uns auch bewusst, dass wir inmitten vieler menschlicher Skelette standen. Unglaubliche Anblicke – und eigentlich verbot uns die Pietät, der Anstand genau hinzuschauen. Auf eine genaue Beschreibung verzichten wir hier.
Etwas befremdet ging es zurück zu den Autos.
Abendliches Zelten in den grünen Duftwiesen vor Langmusi.
Tag 8
Beendet haben wir den Abend des 7.Tages mit leckerem chinesischem Rotwein am Lagerfeuer im Nirgendwo.
Dann kam die Nacht und der Tag, der wiedermal sehr ereignisreich war: “Om Mani Padme Hum” – das berühmteste buddhistische Mantra erklang fuer uns morgens und abends. Denn am frühen Morgen besuchten wir das Langmusi Kloster in der Provinz Siechuan, am Abend hatten wir die Grenze zur Provinz Gansu überschritten und besichtigten eines der berühmtesten Klöster Tibets und Chinas: Labrang.
Mönche in roten Mänteln, bunteste Klösterräumlichkeiten, dazu der Geruch von Yakbutterlampen und Buttertee. Zugegeben, für unsere europäischen Nasen riecht das schon ein wenig seltsam, aber es gehört hierher. Und wir haben gelernt: auch Mönche haben ihren Spaß und machen Faxen- natürlich außerhalb ihrer Meditationsstunden….
Spaß hatten wir heute auch auf unserer Tour: wir mußten ganzen Yakherden ausweichen, haben der Heuernte zugeschaut und sind nun in der kleinen Kreistsadt Xiahe angekommen.
Mal sehen, wo uns unser chinesischer Guide Peter heute Abend zum Essen hin entführt.
Ach und das wichtigste: wir haben ein neues Auto: unser chinesischer Mechaniker Mister Shu stiess heute mit einem neuen Toyota zu uns! Wir sind wieder mit sechs Autos unterwegs
Tag 9
Der Tag des Offroads….
Staubwolken zogen wir hinter uns her, Schotter und Dreck unter unseren Reifen. Heute waren wir abseits der neuen Straßen unterwegs. Unser Kameramann Micha filmt eine Szene nach der anderen. Denn heute sind Landschaft und Tourverlauf auch besonders eindrucksvoll: tibetische Lehmdörfchen, mit bunten Fahnen geschmückt, freundliche Menschen an ihren Verkaufsständen am Straßenrand und dazu irre Fels- und Bergformationen, die in Rot-, Grün-, Blau- und Brauntönen scheinen. Die Sonne strahlt dazu.
Wir passieren die Provinzgrenze von Gansu nach Quinhai. Hier spielt weniger der Buddhismus, als der Islam die wichtigste Rolle: die Frauen sind verhüllt, die Männer tragen weisse Kappen auf dem Kopf. Entsprechend – in Xining angekommen – gehen wir auch in einem muslimischen Restaurant essen. Ausgesprochen lecker.
Doch bevor wir uns beim Abendessen zurücklehnen konnten, besuchten wir den größten Markt der Stadt, kauften exotische Knabbereien und Früchte zum Kosten und sahen große Frösche, Aale, Hühnerfüße zum Verkauf. Ein bißchen erleichtert waren wir, als diese dann später nicht auf unseren Tellern lagen.
Tag 10
“Und es rollt und rollt…” – heute länger denn je: 780 Kilometer waren heute zu bewältigen – unsere Königsetappe!
Früh am Morgen startet der Tross in Xining – ein Abenteuer!
Vorbei am großen Salzsee Koko Nor und dann hinein in die großen, weiten Ebenen des chinesischen Hochlands.
“Diesel and dust goes east” – im wahrsten Sinne des Wortes, denn heute hatten diejenigen, die bereits an unserer Rallye Dresden Dakar Banjul teilgenommen haben, ein “Deja vu”. Unsere Fahrt quer durch die Ausläufer der Wüste Gobi erinnerte doch sehr an die Etappen durch die Westsahara. Und kaum kamen durchs Walkie Talkie entsprechende Kommentare, schon grasten Kamelherden am unmittelbaren Straßenrand. “Afrika, wir grüßen!”
Das Abendessen konnten wir schon förmlich schmecken und wurden in unseren Jeeps immer schneller, als es bei Tempo 120 (statt den erlaubten 80) am Straßenrand plötzlich winkte. Polizei! Und das in China – welche harte Strafen gibt es hier wohl für zu schnelles Fahren?
Wir umlagerten das Polizeiauto, fotografierten (verbotener Weise) und debattierten über unser Strafmaß.
“Steigt in Eure Autos, fotografiert nicht mehr und wartet”, so hieß es dann von unserem chinesischen Guide Peter. Und kurz darauf rollte die Karawane weiter; Peter kam eben aus derselben Provinz, wie der Polizist. Glück muß man haben.
Tag 11
Wir verlassen Golmud – das Städtchen, mit den großen Alleenstraßen inmitten der weiten, kargen Landschaft.
Erster Stop: Abenteuer Supermarkt. Getrocknetes Yakfleisch, die Stinkefrucht Durian, Tofu, Nudelsuppen und Sojasoßen in allen Varianten. Dazu allerlei Undefinierbares. Wir probieren die Spezialität “100 jährige Eier” und befinden sie für gut.
Bei knapp 20 Grad startet wir und fahren durch wüstenähnliches Gebiet, vorbei an ausgetrockneten Flußbetten und treffen wieder auf Kamele.
Nur eine Stunde später und mehr als 1000 Meter höher fängt es an zu Schneien. Flipflops weichen den warmen Bergstiefeln und schon bald feiern einige von uns ihren ersten Höhenrekord: wir erreichen unseren ersten hohen Paß mit 4770 Metern.
Wenig später wird diese Höhe noch getoppt und wir stehen auf 5010 Metern. Es schneit noch immer, aber wir steigen – zumindest für eine kurze Zeit – aus unseren Autos aus, denn wir müssen uns an die Höhe anpassen – schließlich werden wir in den nächsten Tagen noch auf 4000 und sogar 5200 Metern schlafen.
Seit Golmud fahren wir entlang der höchsten Eisenbahn der Welt. Eindrucksvoll quert die Bahn – die mit einer speziellen Technik auf dem Permafrostboden gebaut wurde – immer wieder, mittels gewaltiger Brücken unsere Straße. Mehrmals am Tag startet der Zug in Lhasa und erreicht Peking nach ca. 42 Stunden. In zwei Wochen werden wir ebenfalls darin sitzen.
Nach 420 Kilometern kommen wir in Toutuahe an – einem kleinen staubigen Fernfahrernest. Skurile Szenen folgen: hinter bröckelnden Lehmfassaden tun sich kleine Restaurants auf, in denen lecker für uns gekocht wird und ein Hinterhofhäuschen wandelt sich zum überraschend angenehmen Hotel.
So richtig einheimisch wird’s am Abend, als wir uns in einem privaten Wohnzimmer einer Familie wiederfinden. Sie finden es spannend – und erleben das wohl nicht alle Tage – Langnasen in ihren Räumlichkeiten mit Buttertee und Bier bewirten zu dürfen.
Wir genießen die langsam kommende Bettschwere unter Bildnissen von Mao und heiligen Lamas, einheimischen Tee trinkend.
Tag 12
Wenn wir gewußt hätten, wie lange wir heute unterwegs sein werden-so wären wir entweder gar nicht erst losgefahren oder hätten uns statt dem allgegenwärtigen chinesischen Tee, ordentlich Kaffee besorgt!
570 Kilometer waren veranschlagt. Um 9 Uhr ging es in Toutuahe los. Zwei hohe Pässe standen auf unserem Plan und, unser Highlight für diesen Tag: die Einreise in das autonome Gebiet Tibet! Keiner von uns hätte je gedacht, einmal hierhin zu kommen.
Frei fahrend ging es los: Treffpunkt 5200 Meter – der Grenzpaß zu Tibet. Einige Minuten mußten wir uns dort aufhalten: Akklimatisation.
Dann ging es weiter in Kolonne – und warum? “Lektion 1-5” genannt: als seien es echte Rallyeaufgaben; in genau einer Stunde waren 76 Kilometer zu absolvieren, in einer halben Stunden 33 Kilometer usw.
Schikane oder Vorsichtsmaßnahme. Egal wie, Straßenverkehrsregeln in China, die auch noch eingehalten werden – eigentlich gar nicht wahr.
Mit all diesen Maßnahmen über Kilometer wurde es langsam Abend. Der Himmel über der Weite Tibets, eindrucksvoll blau, mit weißen Wolken – Fotomotive en masse.
Erste Berggipfel der Transhimalaya Range wurden sichtbar – in abendliches Rosa getaucht.
Gleich werden wir da sein – hatten wir gedacht. Doch dann fährt ein Sattelzug in den Straßengraben. Ein Toter, ein Verletzter und eine riesige Auto- und LKW Schlange, bei der wir uns hinten anstellen müssen.
Abenteuer Nachtfahrt in Tibet folgt. Und damit ist wirklich nicht zu Spaßen.
Traktoren, Radfahrer, Autos, riesige LKWs – alle ohne jegliche Beleuchtung. Harakiri!
Wir sind froh, als wir endlich gegen 21 Uhr in unserem Hotel in Damxung ankommen.
Wenige Minuten später sitzen wir nebenan im Restaurant, spachteln und fallen gegen 22 Uhr ins Bett.
Zufrieden mit all diesen Erlebnissen im Kopf.
Tag 13**
Heute erwartet uns Lhasa. Keiner von uns hätte je gedacht, einmal selbst in den Szenerien von “Sieben Jahre in Tibet” herumzulaufen. Nach einem echten kontinentalen Frühstück mit Kaffee und Weißbrot geht es los von Damxung Richtung Lhasa. Die Straßen sind nach wie vor sehr holperig – bei dem Permafrostboden kann man dagegen wohl nicht viel machen. Unsere von gestern “beliebten” Rallyelektionen werden fortgesetzt und es heißt gleich an der ersten Polizeistation: für die nächsten 35 Kilometer müßt ihr 30 Minuten brauchen. Heute stören uns diese Maßnahmen nicht wirklich, denn es sind nur 180 Kilometer, bis wir die tibetische Hauptstadt erreichen werden. Die Bergspitzen um uns herum werden höher, die Straßen besser und die Dörfer sauberer – wir nähern uns Lhasa. Yakherden queren unsere Straße – die 109, die bis in die Hauptstadt führt. Überall am Straßenrand beobachten wir Pilger, die sich alle paar Schritte auf den Boden niederwerfen; sie pilgern auf diese Weise von ihrem Heimatort bis zur heiligen Stadt Lhasa – oftmals ueber viele tausend Kilometer. Breite Pappel- und Birkenalleen führen durch diverse Vorstädte mit chaotischem Verkehr hinein nach Lhasa. Vor uns, der Potala, der heilige Palast, in dem einst der vertriebene Dalai Lama lebte. Drei Autominuten entfernt: unser Hotel – ein totaler Luxusschuppen. Wir schwärmen aus – Lhasa erleben.
*Tag 14
Es ist ein* herrliches Licht, morgens um acht in Lhasa. Heute bleiben unsere Jeeps stehen und wir gehen auf Pilgertour durch die tibetische Hauptstadt. Erstes Highlight ist der Potala Palast, eigentlicher Sitz des Dalai Lamas. Erhaben und mächtig liegt er oberhalb der Stadt. Nur mit einem Termin gelangt man hinein; auch nur mit einem einheimischen Führer, außerdem darf man sich nur eine Stunde lang im Inneren aufhalten. Überwältigt von den Farben, Gerüchen, Eindrücken – reicht die Zeit auch. Hoch über der Stadt, in einem kleinen tibetischen Restaurant stärkt uns die einheimische Nudelsuppe Thupka, bis es zum nächsten Palast geht, dem Johkang. Er liegt im Herzen der Stadt und ist das eigentliche Ziel der Pilger. Im Uhrzeigersinn umrunden sie das Bauwerk wieder und wieder; Gebetsmühlen drehend oder sich nieder werfend. Wir steigen dem Palast aufs Dach und haben einen herrlichen Blick über Lhasa, bis hin zum Potala. Der Nachmittag steht im Zeichen des Souvenirkaufs; Gebetsfahnen, Armbänder und des Bummels durch das Altstadtgebiet Barkhor. Morgen geht’s weiter per Jeep. Einige Vorbereitungen müssen wir dafür noch treffen: zwei Autos haben Probleme mit dem Reifendruck: einfach Aufpumpen oder Reifenwechsel. Everest wir kommen!
Tag 15
Bestaunt und unter neidischen Blicken der “Bustouristen” stiegen wir am Morgen in Lhasa in unsere Jeeps. Es ist eine unglaubliche Seltenheit, als Ausländer in China selbst Autofahren zu dürfen. Statt der geplanten 250, sind es heute nur 180 Kilometer: wir wollen Götzens Vorschlag folgen und unser Zelt im Basecamp unter dem Noijin Kansang (7000der) aufschlagen. Unterhalb des dortigen Gletschers liegt ein einsames Kloster. Hier wollten wir hin: eigens eingekaufte Lebensmittel (Reis, Tsampamehl, Nudeln) den Klosterschwestern mitbringen. So weit entfernt von der restlichen Welt, freuen sie sich über jegliche Hilfe. Offroad geht es von der großen Straße ab – hinauf zum Basecamp. Doch was nun – ein Fluß hat die Schotterstraße weggespült, kein Weg ist mehr erkennbar. Diskussionen zwischen unserem chinesischen Mechaniker und uns: “wir können so was” – sagen wir. “Die armen Autos” – sagt der Mechaniker. Wir setzen uns durch und haben Spaß! Oben angekommen, wandern wir – schwer mit den Lebensmitteln bepackt zum Kloster. Die sechs Frauen freuen sich sehr. Leider koennen sie kein Wort chinesisch oder englisch. So sitzen wir eine Weile auf den klösterlichen Matratzen herum und laufen im beginnenden Regen zu unserem Camp. In dem Zelt eines Tibeters dort warten wir, bei Pellkartoffeln und Knoblauch den Regen ab, bevor wir uns in herrlicher Landschaft in unsere Zelte verziehen.
Tag 16
Kalt war es, trotz der 4850 Höhenmeter nicht. Blauer Himmel scheint da und dort durch die Wolken. Heute wird es schön. Zusammengepackt ist schnell; die ersten Autos rollen zur Flußdurchquerung. Doch dann kommt ein Satz per Funk: “Unserer springt nicht an. Nichts geht mehr”. Das sind Jan und Katrin. Ihr Mitsubishi sagt keinen Ton mehr. Geschlagene zwei Stunden verbringen wir mit Warten und Ausprobieren; dann wird Geschleppt. Zurück nach Nagartse. Nach einer Telefonkonferenz mit der Autovermietung: da und dort wird gedreht und gezogen; darüber hinaus sind wir nun 200 Meter niedriger… – Auto spring an. Keiner versteht warum, aber es kann weitergehen und wir haben das Abenteuer: Flußdurchquerung am Abschleppseil hinter uns. In Gyantse besuchen wir das dortige Kloster. Eine eindrucksvolle rote Mauer umgrenzt das Anwesen. Dieses Kloster blieb von jeglichen Angriffen/ Zerstörungen verschont – eindrucksvolle Wandteppiche und Gemälde sind hier noch zu sehen. Shigatse das Ziel unserer Tagesetappe beeindruckt mit einem luxuriösen Hotel. Massagen für den einen, gemütlicher Tagesabschluss beim Bier an der hauseigenen Bar für den anderen. O-Ton, Live, Sabine Wiegand (Text): “Eben schließe ich den Laptop und reiche ihn Holger quer über die Ba , als der Kronleuchter über uns zu Schwanken anfängt”. Ein Erdbeben – ca. Stärke 3 sucht uns heim. Ehrfürchtig beobachten wir den Leuchter und hoffen, das keine weitere Erschütterung folgen wird. Eine Runde für alle – Erleichterung!
*Tag 17
“Alien *drivers licence”, hieß das Stichwort heute morgen. Guide Peter mußte zu den Behörden, um dort die Erlaubnis einzuholen, selbst zum Everest Basecamp fahren zu dürfen. Dem verdanken wir ein herrliches Ausschlafen. Erster Stop ist das Kloster Tashi Lunpu, der Sitz des Panchenlama. Dann geht es endlich in Richtung der ganz hohen Berge. Mit unseren Autos schrauben wir uns höher und höher, bis wir einen weiteren Paß- Höhen- Rekord erreichen: 5280 Meter. Tibeter umzingeln uns sofort und wollen Gebetsfahnen verkaufen. Die größte ist bald unser und allesamt unterschreiben wir darauf. Wie es so Brauch ist, wird unsere Fahne zu den anderen, hoch über die Straße gehängt – Glück soll es bringen,wenn der Wind die guten Wünsche der bunten Fähnchen in die Weite trägt. Unser letzter Stop vorm Everest Basecamp heißt Tingri. Echt tibetisch fällt unser Abendessen aus:in einer gemütlichen Bude, sitzen wir auf mit bunten Teppichen belegten Bänken, schlürfen Tupka und essen Yakfleisch. Zwei bunte Regenbögen übereinander und ein herrlicher Sonnenuntergang beleiten uns auf unserem Rückweg zu Hotel.
Tag 18
“Wir wollen Pellis im Basecamp”, so hieß es am Morgen. Und so gehen wir groß einkaufen im kleinen Nest Tingri. Dazu noch recht viel Knoblauch (der ist durch seine blutverdünnende Wirkung gut für die Höhe), Ingwer und Zwiebeln. Dann kann es losgehen. Wenige Kilometer außerhalb des Ortes fängt der Fahrspaß an: Offroad die nächsten 90 Kilometer! Staubwolken hinter uns herziehen schaffen wir die erste Teilstrecke, dann kommt ein Militärstop: jeder muss mit seinem Paß in der Hand vortreten. Einige Male werden wir heute so kontrolliert. Schlagloch über Schlagloch, Wellblech und tiefe Spurrinnen schütteln uns dann durch. Es dauert nicht lange, dann stoppt uns der erste Plattfuß. Der Tausch des Rads ist schnell gemacht, dennoch sind wir in den wenigen Minuten schön – von vorbeirasenden und hupenden Autos – eingestaubt worden. Mit Drift um die Ecke stehen wir überraschend schnell vor dem berühmten Rongbuk Kloster, dem höchsten Kloster der Erde. Zum Übernachten ziehen wir in echte tibetische Zelte ein. Wir warten auf das Erscheinen (hinter dem Wolken) des höchsten Berges der Welt – 8848 Meter hoch. “Quomolungma, Quomolungma”, tönt es später aus der Dunkelheit. Alles stürzt aus dem Zelt- und wirklich: langsam verschwinden und die Wolken und lassen einen Blick auf den Gipfel des höchsten Berges der Welt zu. Gigantisch – vom letzten Sonnenlicht beschienen.
Tag 19
Zu sechst im Nomadenzelt, zugedeckt mit dicken warmen Decken, schlafen wir wunderbar. Gegen 8 Uhr am Morgen weckt uns Getöse am zelteigenen Ofen: es wird Feuer für Tee und Pfannkuchen gemacht. Mit einem Buttertee in der Hand und in dicke Jacken gehüllt, hält uns nichts im Inneren des düsteren Zeltes und wir stehen draußen – Beobachten den Berg. Nach und nach verschwinden die letzten Wolken vor Everest, Nuptse und Tchangtse. Ein einmaliger Anblick. Wenig später laufen wir von 5200 Meter los, Richtung Expeditionsbasecamp des Everests. Vorbei an einer Einsiedelei, in der noch vor wenigen Jahren ein Mönch lebte – der wohl am höchsten lebende Mensch der Welt. Der Berg ist komplett frei und wir stehen hoch über dem eigentlichen Basecamp (ca. 5400 Meter) und sind fasziniert. Wir stehen hier – im T- Shirt vor dem höchsten Berg der Welt. Einmalige Gruppenfoto, viele, viele Erinnerungsbilder entstehen. “Berg heil !” Drei von uns, Udo, Rene und Michael haben den direkten Weg zum Basecamp genommen und verpassen leider unser Gruppenfoto. Wie immer – Nudelsuppe gibt’s zum Mittag und ab geht’s zur kurzen Stipvisite im höchsten Kloster der Welt (dem Rongbuk Kloster). Unser Ziel ist ein einige 100 Meter unterhalb des Camps gelegene Dorf – denn bei einigen hat das Kopfweh zugeschlagen.
Tag 20
Der Duft von Pfannkuchen erfüllt das kleine Gasthaus in Zha Xi Zong. Ein schönes Erwachen! Wir befreien uns von den schweren Bettdecken und machen uns erst einmal an die Arbeit und packen alle, zum Trocknen ausgelegte Zelte, ein. Dann endlich: Pfannkuchen! Ein letztes Mal winkt der Toilettenbesuch im Gasthaus: ein Loch, fünf Meter über dem Erdboden! Los geht’s über Staubstraßen voller Schlaglöcher. Das kennen und lieben wir ja schon! Und heute Abend winkt die heiße Wanne in Shigatse – Dreck aus den Poren waschen. Das Wetter ist brillant, die Sonne scheint und weiße Schäfchenwolken wandern über den Himmel. Ein bißchen Wehmut klingt heute mit, denn schließlich ist heute unser vorletzter Fahrttag. Sechs Jeeps schlängeln sich die viele Serpentinen hinauf zum Paß. Ob wir heute alle, von den vier hier theoretisch sichtbaren 8000der, sehen werden? Zehn Minuten später wissen wir es: nicht alle, aber ab und zu einmal einen. Ein herrliches Sonne- und Wolkenschauspiel bietet sich uns. Hinaus geht’s aus dem Nationalpark Quomolungma, in Richtung Shigatze. Links und recht der Straße erstrecken sich weite Felder. Ganze Familien arbeiten hier gemeinsam und binden geerntetes Stroh zu Garben zusammen und transportieren sie in ihren kleinen dreirädrigen Motorkarren nach Hause. Irgendwann erklingt unsere Rallyehymne durch die Walkie Talkies: “Oh Baby she`s got it” (Venus von Shocking Blue): für uns heißt das anders und alle singen mit: “Oh Baby Shi-gat-ze Yeah – wir kommen!!
Tag 21
Zum letzten Mal selbst in China Auto fahren. Zum letzten Mal durch Schlaglöcher fahren. Zum letzten Mal erstaunt angeschaut werden. Zum letzten Mal vom runden Drehteller essen. Unsere Reise neigt sich dem Ende zu – wehmütig denken wir an all unsere Erlebnisse in den drei vergangene Wochen zurück. Aber zum Glück kommen da doch noch einige Highlights: Die herrliche Stadt Lhasa lockt uns mit dem geplanten Abschiedsabend, hier werden wir in den höchsten Zug der Welt einsteigen und in Peking warten die berühmte “Great Wall” auf uns. So ganz am Ende unserer Tour sind wir also doch noch nicht. Nach 250 Kilometer Fahrt und einer letzten “Lektion” (Geschwindigkeitsbegrenzung: 45 Kilometer sind in einer Stunde zu fahren), fahren wir im Konvoj in der heiligen Stadt ein. Abschiedsfoto mit allen Autos und allen Teilnehmern vor unserem Hotel. Dann wird es ernst: Autos ausräumen, Magnetklebeschilder “Everest Challenge” abnehmen und Übergabe der Autos an die chinesischen Fahrer. Tschüss – nun sind wir wieder ganz normale Fussgänger. Echt tibetisch Essen am Abend und ein Abschiedsbesuch bei unserem liebgewonnenen Holländer “Fred” und seinen Rockkonzerten auf DVD.
Tag 22
Der Zug ruft. Der heutige Vormittag steht im Zeichen des Packens und Einkaufens. Um 13 Uhr startet unser Zug nach Peking. 43 Stunden werden wir unterwegs sein.
In sogenannten Softbed- Abteilen.
Wir sind gespannt – wird uns die Höhe etwas ausmachen? Der Zug ist vorsorglich in jedem Abteil mit Sauerstoffmasken ausgerüstet. Aber nach unserem Besuch im Everest Basecamp sollten die Höhenmeter auf der Strecke eigentlich kein Problem mehr sein.
Voll bepackt mit den letzen Souvenirkäufen, mit Tüten voller Verpflegung und unserem eigentlichen Gepäck stehen wir Punkt 12 Uhr vor unserem Hotel.
Wir steigen ein in den Bus, der uns – mangels eigener Jeeps – zur Zugstation fährt. Sonne, 25 Grad – Lhasa verabschiedet sich von seiner herrlichen Seite von uns.
Der erste Blick auf die Zugstation Lhasas beeindruckt uns: schick und neu und ein bißchen wie ein moderner Potalapalast sieht sie aus.
Und Sicherheitskontrollen wie am Flughafen: keine Messer dürfen mit, keine Gaskartuschen. Kartuschen haben wir sowieso bereits verschenkt; Messer schmuggeln wir – schließlich sollen unsere letzten Salamivorräte während der Fahrt fallen.
Ohne Trolli und ohne Rolltreppen buckeln wir unsere Gepäckmassen in unseren Waggon Nummer sechs.
13:45 Uhr – und los geht’s.
Bequeme Doppelstockbetten erwarten uns und auch ein richtiger Restaurantwagen. Wunderbar. Die Zeit vergeht im Fluge, schließlich müssen endlich Postkarten geschrieben und Bücher gelesen werden. Bisher waren wir tagtäglich zu beschäftigt.
Tag 23
43 Stunden sind schon eine lange Zeit.
Wir haben gut geschlafen in unseren engen, aber gemütlichen Abteilen. Kekse mit Honig oder aber (tapfer) chinesischen Instantnudelsuppe gibt es zum Frühstück. In jeden Waggon gibt es hierzu einen kleinen Boiler, wo wir uns jederzeit heißes Wasser holen können.
Wir beobachten, wie die Landschaft mit 100 Stundenkilometer vorbei zieht. Ab und zu erkennen wir einen Bahnübergang wieder, an dem wir lange gewartet haben, sehen uns wohlbekannte Brücken und Dörfer. Erst nach Xining fahren wir durch Gegenden, die wir mit unseren Jeeps nicht passiert haben.
Eine Zugfahrt mit Chinesen ist gewöhnungsbedürftig – sind doch deren Sitten und Gebräuche ziemlich anders als unsere: es wird gespuckt und gerülpst, morgens um 6 Uhr wird laut geschrieen und gelacht. Die Klos und Waschbecken werden immer dreckiger und überschwemmter. China – eine so ganz andere Kultur.
Was wohl an uns Langnasen kritisiert wird? Ist Naseputzen unhöflich?
Morgen früh um 8 Uhr werden wir in Peking eintreffen.
Dann rufen ein letztes Mal die faszinierenden Sehenswürdigkeiten Chinas: die große Mauer, die verbotene Stadt und die berühmte Pekingente.
All das, wenn wir die weiteren 20 Stunden chinesischer Zugfahrt überstanden haben.
Die Aussicht auf umgebenden 6000 Meter hohen Berge ist einmalig.
Die Himmelsbahn, wie die Chinesen die höchste Bahn der Welt nennen ist nahezu ein Denkmal der chinesische Baukunst; eine Verlängerung der Bahn ist sogar bis Nepal/ Kathmandu geplant. Wenn alles fertig ist, soll sie bis 400 km/ h schnell fahren.
“Vorsprung durch Technik”
Tag 24
Peking Hauptbahnhof-Bitte alle aussteigen ,dieser Zug endet hier !!!
Wir haben 16 Stunden Zeit Peking zu erkunden. Unser Reiseleiter hat sich für den “deutschen Namen” Thomas entschieden und führt uns erst zur großen Mauer und anschließend in die “Verbotene Stadt ”. Dann hieß es Abschied nehmen von Sabine,Götz und Kameramann Micha, für Sie geht es weiter nach Indonesien wo das nächste Abenteuer wartet.Nachdem wir noch 2 Stunden die Pekinger Innenstadt eroberten ging es Richtung Flughafen. Allen war auf einmal bewußt die 1. Mt. Everest Challenge ging zu Ende ! Für uns als Organisatoren ist klar: WIR KOMMEN WIEDER !
nächste Rallye:
Atacama- Challenge
Chile /Südamerika Frühjahr 2013